| 15.02.2008 22:30 | Konzert: Ret Marut (Bernd Michael Lade + Maria Simon und Band) | |
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Knaack Club Greifswalder Straße 224 |
18. bis 20. März 2009
B. Traven. Text -- Autor -- Textgeschichte
Internationale Fachkonferenz
Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N.,
CALL FOR PAPERS
Die historisch-philologische Befassung mit B. Traven hat zum gegenwärtigen
Zeitpunkt vornehmlich zwei dringliche Aufgaben.
Es ist zum einen nötig, das diskursive Profil der literarischen Persona Marut
/ Traven aus dem mentalitätsgeschichtlichen Konglomerat der Jahrhundertwende
1900 zu ,erklären'. Hierfür ist die Heranziehung der frühen Romanentwürfe und
unveröffentlichten Erzählungen aus dem sog. Mermet-Nachlaß (Rivera Library,
Riverside) letztlich unverzichtbar. Nach dem bisher bekannt Gewordenen scheint
sich die Entwicklung von Maruts literarischem Denken im gesamten breiten
Spannungsfeld von Nietzsche-Wirkung und Darwin-Mode, vitalistischem Monismus
und Bewegungen der ,Lebensreform', Anarchismus-Traditionen und Erzählinhalten
des Kolportageromans zu vollziehen. Es bedarf der Klärung, wie das im Frühwerk
sich herausbildende Ideen- und Plot-Amalgam durch den Schock der Konfrontation
mit der Welt in Mexiko fast sofort zu der Gestalt gefunden hat, die uns im
Werk Travens so unverkennbar begegnet.
Kaum weniger wichtig, allerdings früher zu Ergebnissen führend und deshalb aus
pragmatischen Gründen zeitlich vorzuziehen dürfte zum andern sein, den Autor
und das Werk durch die Applikation von Verfahren der
literaturwissenschaftlichen Text- und Strukturanalyse nachhaltig zu ,nobilitieren'.
Erkenntnisgewinn setzt die Bereitschaft zum Gebrauch eines anspruchsvollen
Instrumentariums voraus; erst die Unterstellung des Vorliegens komplexer
Textstrategien öffnet die Augen für entsprechende Befunde. Das ist für die
Traven-Philologie öfter kein Leitprinzip gewesen -- zum Schaden des Autors,
der bei fragloser Geltung politisch linker Axiome ein genehmer Gewährsmann, in
allen anderen Fällen aber eher nur ein Unterhaltungsschriftsteller oder auch
grobschlächtiger Schwarz-Weiß-Maler war. Diese Konstellation von Alternativen
muß aufgelöst werden. Bereiche, über welche das nach bisher bereits
vorliegenden Arbeiten vielversprechend möglich erscheint, wären z. B.
-- die linguistisch-stilistische Bestimmung der diversen Sprachregister,
-- die Analyse der Logiken, nach denen die Kopplung unterschiedlicher Diskurse
zu
Argumentationseinheiten vonstatten geht,
-- die Interpretation der Wertevermittlung durch den Erzähler und dessen
wechselnde
Positionsnahmen,
-- die narratologische Untersuchung der Erzählverfahren.
Text- und strukturanalytische Fragen haben nun aber bei Traven -- das ist seit
längerem bekannt -- vorab damit zu rechnen, daß die Textgeschichte der Romane
in mehrfacher und z. T. präzedenzloser Hinsicht komplex ist. Dies gilt nicht
nur für die vertikale (chronologische) Geschichte der deutschen Fassungen,
sondern auch für die horizontale (topographische) Konstellation der
Neufassungen in anderen Sprachen bzw. autorisierten Übersetzungen. Unter
diesem Aspekt der Textgeschichte tritt zugleich und zusätzlich der Autor ins
Blickfeld. Der Autor ist in diesem Fall selbstverständlich nicht als ein
genealogisch zu entschlüsselndes Rätsel zu fassen, sondern als Handelnder im
literarischen Feld: z. B. als der Korrepondenzpartner der Büchergilde
Gutenberg und anderer Verlage, als der Exulant in Mexiko unter anderen
deutschen Exilschriftstellern, als der späte Agent seiner früher erfolgreichen
Bücher unter den Bedingungen der Jahre nach 1950 oder als das Kollektiv, das
sich aus Traven und je neuen Übersetzern und Verlagslektoren bildete. Der
zweite der heute dringlichen Aufgabenkomplexe verbindet demnach die Spielarten
der Textanalyse mit den Aspekten der Textgeschichte (und der Textkritik) sowie
mit der methodisch kontrollierten Konstruktion von Bildern des Autors.
So erklärt sich der Titel "Text -- Autor -- Textgeschichte", unter dem die für
das Jahr 2009 vorgesehene Tagung ausschließlich diesem zweiten Vorhaben
gewidmet sein soll. Einige der in der Erforschung Travens ausgewiesenen
Fachvertreter konnten für die Veranstaltung, deren unmittelbarer Anlaß die
vierzigste Wiederkehr von B. Travens Todestag (26. März 1969) ist, bereits
gewonnen werden. Die hier veröffentlichte Ausschreibung wendet sich daher
besonders auch an jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der
Bitte um Vortragsangebote zur skizzierten Thematik. Dringend erwünscht sind
nicht zuletzt Studien zu den teilweise unter Travens Mitwirkung entstandenen
englischen und spanischen Ausgaben seiner Werke. Auch wenn grundsätzlich
Deutsch die Konferenzsprache sein soll, wären für Beiträge von anglistischer
bzw. hispanistischer Seite abweichende Regelungen möglich.
Vortragsangebote mit der üblichen kurzen inhaltlichen Skizze sowie einer
Kurzbiographie werden postalisch oder elektronisch erbeten an eine der unten
genannten Adressen bis zum 29. Februar 2008.
Ein Antrag auf finanzielle Unterstützung der Konferenz soll gestellt werden.
Ob es dann möglich sein wird, Reise- und Übernachtungskosten zu erstatten, ist
zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings noch nicht zu sagen.
Ansprechpartner und Leitung der Tagung:
Prof. Dr. Günter Dammann
Institut für Germanistik II
Universität Hamburg
Von-Melle-Park 6
20146 Hamburg
Tel. +49-(0)40-42838-2734
Fax +49-(0)40-42838-3553
E-Mail (Univ.): fs7a026@uni-hamburg.de
E-Mail (priv.): guenter.dammann@ewetel.net